Volontärdienst im Missionskrankenhaus Lira

Im Morgengrauen startet am Stuttgarter Flughafen die lange Reise nach Uganda. Beinahe 24 Stunden später, kurz vor Mitternacht die Ankunft in Entebbe, im Süden Ugandas. Nach einer nur kurzen Nacht machen wir uns schließlich in den frühen Morgenstunden auf den Weg gen Norden, nach Lira.

Es ist eine lange Autofahrt, doch mit jedem Kilometer, den wir uns der Klinik nähern, steigt in mir die Vorfreude und die Aufregung, aber auch ein wenig Angst vor dem Unbekannten und Neuen…

Angekommen auf dem Gelände des Krankenhauses schwindet jede Spur von Angst, denn wir werden herzlich von den liebevollen und hilfsbereiten Mitarbeitern empfangen und begrüßt. In unserer Gastwohnung ist sogar köstliches ugandisches Obst für uns bereitgestellt.

Ich kann es kaum abwarten meinen Dienst als Gesundheits- und Krankenpflegerin anzutreten…

Tagesbeginn mit Gesang und Gebet

Am ersten Arbeitstag nähern wir uns dem morgendlichen Versammlungsort, um das Personal kennen zu lernen; aus der Ferne hört man bereits rhythmisches Klatschen, kräftige Stimmen, freudigen Gesang… wir schließen uns dem Personal an, schnell werden wir von der guten Laune angesteckt und versuchen den afrikanischen Rhythmus zu halten. Drei Monate lang treffen wir uns jeden Morgen an diesem Versammlungsort und singen gemeinsam, motivieren uns gegenseitig, beten, bringen unsere Dankbarkeit zum Ausdruck, wünschen einander Kraft und gehen anschließend unseren Patienten dienen.

Rotierend durch alle Abteilungen

Im Missionskrankenhaus wird mir ermöglicht durch alle Abteilungen zu rotieren: Ich habe das Glück mit tollen Menschen zu arbeiten, von sehr kompetenten Menschen zu lernen. Das gesamte Personal der Lira Klinik ist sehr fleißig, arbeitet hart, ist geduldig und liebevoll im Umgang mit Patienten. Im Vergleich zu den Krankenhäusern in Deutschland sind die Ausstattung und Ressourcen in der Klinik hier in Lira mager, ebenso Medikamente, Verbandsmaterialien, Gerätschaften, Instrumente, etc. und genau aus diesem Grund ist die Arbeit/ sind die Leistungen, die erbracht werden, meines Erachtens nach erst recht respektabel und schätzenswert.

Großartig, wie Säuglinge täglich zunehmen

Auf der Ernährungsstation lerne ich verschiedene Assessmentinstrumente zur Einschätzung des Ernährungszustandes der Säuglinge kennen, außerdem die Zubereitung von nährstoffangereicherter Milch.

Es ist großartig zu beobachten wie die Säuglinge täglich zunehmen, sich deren Allgemeinzustand bessert und sich die Eltern darüber freuen.

 

Das Wunder neuen Lebens

Die Mitarbeit auf der Entbindungsstation ist faszinierend. Ich werde fast täglich (zum Teil sogar mehrmals am Tag) Zeuge eines Wunders, nämlich der Geburt eines neuen Lebens.

Anders, als man es aus Europa kennt, wird die Geburt hier ohne Arzt, ausschließlich von der Hebamme bzw. Krankenschwester begleitet. Die afrikanischen Frauen sind unglaublich stark! Während der Geburt geben sie kaum einen Laut von sich, ihre Schmerzgrenze ist erstaunlich hoch und direkt nach der Entbindung nehmen sie ihr Neugeborenes auf den Arm, packen ihre Sachen und laufen zu Fuß vom Entbindungszimmer zurück auf die Station. Die „Baby-Boys“ und „Baby-Girls“ sind winzig klein, das Geburtsgewicht beträgt meist nur zwischen 2 – 2.5kg.

Eine „Mehrzweck-Station“ für Frauen

Das Personal der Frauenstation leistet harte Arbeit: neben den zahlreichen Entbindungen werden auf der Station medizinische & chirurgische Patienten betreut; Patienten werden für diverse OPs vorbereitet, postoperativ überwacht und betreut, aufwändige Verbandswechsel werden durchgeführt, etc. …

Schönes Gefühl, wenn sehr kranke Kinder genesen

Auf der Kinderstation genieße ich die Arbeit mit den Kindern. Auch sie sind unglaublich stark! Teilweise sind die Kinder bei der Aufnahme in stark reduziertem Allgemeinzustand, sogar bewusstlos, aber innerhalb von wenigen Tagen machen sie große Fortschritte und es ist das schönste Gefühl diesem Genesungsprozess beizuwohnen, ein Teil dessen zu sein, dem etwas beitragen zu können. Die Medikamentenverabreichung ist eine große Herausforderung, die Kinder haben Angst, weinen und schreien. Ich fühle mich jedes Mal sehr schlecht, aber sie vergessen schnell und anschließend spielen wir wieder gemeinsam.

Männer, die nicht auf ihre Gesundheit achten

Während meiner Mitarbeit auf der Männerstation erfahre ich, dass Männer in Afrika leider nicht auf ihre Gesundheit achten. Bei Beschwerden gehen sie nicht zum Arzt/ ins Krankenhaus bzw. erst, wenn es viel zu spät ist. Demnach ist die Mehrheit der Patienten auf dieser Station sehr schwach, in sehr schlechtem und reduziertem Allgemeinzustand, leider gibt es stets Patienten, die teilweise tagelang bewusstlos sind. Daher verdient das Personal der Männerstation die größte Achtung, sie sind in jeder Schicht allein im Dienst und leisten härteste Arbeit.

Herztöne von Ungebornen

In der Schwangerenvorsorge lerne ich von der Hebamme wie ich den Bauch einer Schwangeren abtaste; mit einem trichterförmigen Instrument hören wir über die Bauchdecke die Herztöne des Ungeborenen ab. Es ist faszinierend, wie die Schwangerenfürsorge mit diesen einfachen Mitteln durchgeführt wird.

YCC (Young Child Clinic) – Kindervorsorge und Impfprogramm

In der YCC freue ich mich täglich sehr über die große Anzahl der Eltern, die ihre Kinder vorbildlich und zuverlässig zu den Impfungen bringen.

4000 HIV Patienten

HIV ist ein großes Thema in Afrika. Während meiner Tätigkeit in Deutschland hatte ich kaum Kontakt zu dieser Patientengruppe. Daher schätze ich es sehr in der ART-Clinic der Health Unit mitarbeiten zu dürfen. Hier werden über 4000 Patienten betreut und ich lerne die Leitlinien kennen. Wir führen Beratungs- und Aufklärungsgespräche, führen HIV-Tests durch und ich werde in die Medikamenten-Therapie eingeführt. Das Personal der ART-Clinic ist sehr kompetent und daher die Mitarbeit für mich sehr lehrreich.

Tests in Laborabteilungen

Sehr interessant sind die Tage, die ich in den verschiedenen Laboren der Health Unit verbringe. Die Durchführung verschiedener Tests, die unterschiedlichen Untersuchungsmethoden, die Untersuchung verschiedener Materialien unter dem Mikroskop, Blutgruppenbestimmungen, die Vorbereitung von Blutkonserven, etc. …

Persönliche Bereicherung durch liebevolle Begegnungen

Während meines Volontärdienstes habe ich nicht nur beruflich wertvolle Erfahrungen gesammelt; diese drei Monate waren ebenso eine persönliche Bereicherung für mich: Trotz der Armut sind die Menschen stets glücklich und zufrieden. Sie sind dankbar. Sie teilen gerne. Sie sind liebevoll, hilfsbereit, gastfreundlich, herzlich, entspannt. Vom ersten Tag an haben sie mir das Gefühl gegeben ein Teil dieser großen Familie zu sein. Sobald man morgens die Wohnung verlässt, wird man von allen Nachbarn gegrüßt, die Kinder stecken mit ihrem herzhaften, warmen Lachen an. Nach Dienstende wird man in den „German Quarters“ (so haben die Ugander den Wohnbereich des Personals benannt) wieder von allen Nachbarn willkommen geheißen, es wird täglich für die geleistete Arbeit gedankt. Die Kinder spielen gemeinsam und laden mich oft dazu ein. Mit großer Freude schließe ich mich ihnen an, ich lerne neue Spiele, amüsiere mich sehr und genieße die familiäre Wärme, die Freundschaft, das Beisammensein, das Teilen…

Neben den wertvollen beruflichen Erfahrungen und der tollen zwischenmenschlichen Beziehungen habe ich drei Monate lang das köstlichste Obst und Gemüse, sowie traditionelle afrikanische Gerichte genossen. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht bei 33°C Wärme und Sonne mit meinen afrikanischen Freunden und Kollegen Weihnachten und Neujahr zu feiern.

Es ist unmöglich diese wunderbaren, wertvollen drei Monate in Worte zu fassen, aber das soll zumindest einen kleinen Einblick ermöglichen…Ich bin jedem Einzelnen für diese tolle, unvergessliche Zeit unendlich dankbar.

Burcu