Diese alkoholisierten, kranken Kinder werde ich nie vergessen – Reisebericht von Dr. Tanja Jensen

Dr. Tanja Jensen beschreibt ihre Eindrücke über den Einsatz quer durch Nord-Karamoja:

 

Kaabong – Unterschied wie Tag und Nacht

„So ein afrikanischer Gottesdienst kann nicht mit unseren deutschen Gottesdiensten verglichen werden. Diese Lebensfreude und auch Lautstärke zwischen mehrstimmigen Gesängen, Klatschen und eyeyeyeyey Rufen, das muss man einfach erleben.

Unser erster Halt war in Kaabong. Solch verlorene, arme Menschen habe ich noch nie gesehen. Sobald wir aus dem Auto ausgestiegen waren, kam eine Menschenmasse sehr nah an uns ran. Körperlich und seelisch kranke Menschen, Erwachsene und Kinder mit Alkoholfahne, betrunken und mit gelben Augen, unterernährte, in Lumpen gekleidete… haben uns berührt und in ihrer Sprache angesprochen, teilweise aggressiv wirkend und durch ihre Zahnlücken beim Sprechen nebenbei unbeabsichtigt auf uns gespuckt. Das war der erste und einzige Moment, wo ich mich nicht ganz sicher gefühlt habe.

Die einheimische Gemeinde, die uns eingeladen hatte, kam und dann hat sich die Atmosphäre auch geändert. Diese alkoholisierten, kranken Kinder werde ich nie vergessen. Die Gemeinde dort leistet eine großartige Arbeit, und den Unterschied konnte man auf den Gesichtern und in den Augen klar erkennen.“

 

Zu Gast bei den IK

Tanja beschreibt weiter: „Die Ik werden von den Karimojong, diesem stolzen, hochgewachsenen halbnomadischen Kriegervolk mit den bunten Tüchern und Halsketten, als arm bezeichnet.

Und wirklich, unsere erste Station war eine Schule und die Armut war noch größer, unbeschreiblich,  einem die Tränen in die Augen treibend. Die Kinder, vielleicht 80, vielleicht 100, schwer zu schätzen, sitzen in ihrer Klasse auf dem Boden und der Lehrer steht davor und lehrt sie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Kinder sprechen im Chor nach, es ist mucksmäuschen still, sie wissen, dass nur Bildung sie aus ihrer Situation holen kann.“

 

Ambulante Krankenversorgung und Kleiderverteilung

Tanja und Rosi sind schon erfahrene Uganda Besucher, vor allem am Krankenhaus in Lira. Dieses Mal konnten sie mit dem seit August 2016  in Timu ansässigen Krankenpfleger Kinder medizinisch versorgen. Kinder mit Augenproblemen und Wunden wurden im Schatten eines Baumes behandelt.

„Wir hatten zwei große Säcke mit Kleiderspenden dabei. Ihr könnt euch nicht das Gesicht von dem in Lumpen gehüllten Jungen vorstellen,  dem man diese auszog, um ihm zum ersten Mal in seinem Leben eine Hose und ein T-Shirt anzuziehen. Wie gerne hätten wir noch weiteren Bedürftigen geholfen! Und ich könnte noch tausend andere Dinge erzählen, von Kindern, die fast verhungern, von hingegebenen Menschen, die in unzugänglichen Dörfern leben, um ihren Mitmenschen zu helfen, von fröhlichen Gesängen, atemberaubenden Landschaften, Buschtoiletten im Grashaus, von Kakerlaken im Zimmer, von hoffnungsvollen Kinderaugen, von schmutzigen Füßen und summenden Moskitos, wenn man todmüde ist und schlafen will … .“

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